Neues Gesetz für Pauschalreisen

      Wie bei EU-Recht üblich, gibt es Vor- und Nachteile gegenüber der bisherigen deutschen Regelung.

      Es verschlechtert sich beispielsweise:

      Keine Preisgarantie mehr über 4 Monate nach Abschluß, vielmehr kann bis 20 Tage vor Abreise noch eine begründete Preiserhöhung bis zu 8 Prozent (z.B. nachweisbare Energiekosten wie Kerosin) an den Reisegast weitergegeben werden. Bisher max. 5 Prozent. Kommt aber in der Praxis bisher selten vor.

      Ferienwohnungen, Ferienhaus, gebucht über Reiseveranstalter, gelten nicht mehr als Pauschalreise. Es gelten die Mietgesetze im jeweilgen Urlaubsland.
      Auch Tagesreisen sind keine Pauschalreise mehr.

      Einige Vorteile für den Kunden:

      Reklamation bei Pauschalreisen jetzt bis 2 Jahre nach Rückkehr möglich, vorher max. 4 Wochen
      / 1 Monat. Die Mängelanzeige kann auch an das Reisebüro gerichtet werden, bei dem gebucht wurde.

      Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, z.B. bei Hoteländerungen vor der Reise dies bekanntzugeben. Wahlweise Rücktritt gegen vollen Reisepreis und ggf. Schadensersatz.
      Meldet sich der Kunde nach Benachrichtigung nicht, gilt das nach angemessener Zeit
      als Zustimmung. In dem Fall ist eine nachträgliche Beanstandung eher ausgeschlossen.

      Vieles bei dem neuen Recht muß sicherlich erst durch einige Instanzen in der Zukunft
      geregelt und bestätigt oder abgelehnt werden.

      Auf alle Fälle mehr Papier oder Online-Formulare bei Buchung.
      Man sollte also noch genauer hinschauen. Ob man auch bei Einzelbuchungen wie
      Hotel und Mietwagen oder Hotel und Musicalticket ab dem 01.07.2018
      doch schon eine Pauschalreise gebucht hat. Oder nur eine "verbundene
      Reiseleistung". Was wichtig sein kann in Bezug auf Insolvenzen und Haftung.
      @Klatscmohn
      Vor den "Überraschungen" einer evtl. Preiserhöhung bist Du zwar gefeit (aber auch hier kommt es wieder darauf an, wie und wo gebucht), genießt aber auch nicht den "Schutz" einer Pauschalreise. Wie auch schon vorher, kannst Du Dich bei Einzelbuchungenz z.B.bei Flugstreiks (Piloten, Bodenpersonal) oder wenn mit der Unterkunft irgendetwas ist, selber um alles kümmern.
      Das darf jeder für sich entscheiden nach seinen Bedürfnissen. Meist geht es ja auch gut.
      Die Hochachtung vor dem Denken anderer gibt dem eigenen Denken erst den richtigen Respekt. (Paul Schupp) :abklatsch:
      Der damalige Leitspruch des DRV "wir kümmern uns" hatte ja z.B. nach der massenhaften Absage von TUI-Pauschalreisen durch das TUIfly-Chaos im Herbst 2016 stark an Wirkung verloren. Letztlich mußten sich die Pauschalreisegäste selber kümmern, um überhaupt noch - wenn möglich - in Urlaub zu kommen.

      Der auf dem Papier vorhandene "Schutz einer Pauschalreise" ist natürlich die Übernahme bei einer Insolvenz der betroffenen Reisepartner, ansonsten hat man da erst gleichgezogen. Denn Hotelübernachtungen und Verpflegung bis zum Abflug, selbst bei außergewöhnlichen Umständen, wurden in der Vergangenheit ohnehin und auch von der Airline - und da unbegrenzt - übernommen. Da hatten bis dato Reiseveranstalter noch die Hälfte der zusätzlichen Flugkosten in Rechnung stellen dürfen. Siehe Vulkanausbruch Island. Und vom Recht der Kündigung des Pauschalreisevertrages wurde in solchen Situationen hier und da auch Gebrauch gemacht. Da stand der Pauschalreisende nicht anders da als der Gast, der Einzelbuchungen vorgenommen hatte. Nur war der Pauschalreisende vermutlich eher überfordert, weil für ihn diese Situation ungewohnt war und er dann selbst die Initiative ergreifen mußte. Als Einzelreisender hat man da einen Zeitvorsprung und muß sich nicht auf andere verlassen. Da sind Ersatzflüge schon gebucht, ohne auf der Warteliste eines Reiseveranstalters zu stehen und auf deren Goodwill und Reaktion angewiesen zu sein. Es gibt natürlich auch hier gute und eben weniger gute Reiseveranstalter, was die Umsetzung, Unterstützung und Handlungsweise in schwierigen Situationen betrifft.

      Da die Pauschalreise im übrigen stets vorausbezahlt ist, ist der Insolvenzschutz auch nötig. Als Einzelbucher kann man seine Hotelaufenthalte so organisieren, daß bis zur Anreise keine Kosten anfallen und somit hierfür auch kein Schutz erforderlich ist. Gleiches gilt für den Transfer z.B. bei Mietwagen. Gebuchte Flüge, die verfallen, verursachen in der Regel deutlich weniger Kosten als z.B. eine Pauschalreise-Rücktrittsgebühr am Anreisetag in Höhen um die 90 Prozent. Zumal, wenn keine Erkrankung vorliegt und keine Versicherung den Schaden aufgrund eindeutiger Bedingungen übernimmt.

      Die Flexibilität einzeln gebuchter Reisen, auch hinsichtlich Änderungen bzw. selbst vorgenommer Anpassungen an Flugtage und Airlines, Aufenthalt z.B. der Dauer, der Buchung in verschiedenen Hotels am Urlaubsziel wird die Pauschalreise nie erreichen können.

      Natürlich hat sie ihre Berechtigung, die Nachfrage ist in großem Stil vorhanden.
      Wer mit dem pauschalen Paket zurecht kommt, warum nicht. Persönlich fühle ich mich flexibler bei Einzelbuchungen bei überschaubaren Reisen wie in Europa.
      Bei neuen, weltweiten Zielen würde ich nochmal drüber nachdenken.
      Ich habe mir das mal auf unseren durchschnittlichen Reisepreis ausgerechnet - das wären ca. 70€ pro Person, die der Reiseveranstalter hätte draufschlagen können. Ärgerlich, aber verkraftbar. Ich frage mich nur, warum ich als Reisender bei sinkenden Preisen kurz vor Abreise dann nicht auch den günstigeren Preis bekomme? Ich meine, es kann ja nicht sein, dass man da so einseitig benachteiligt wird - gekauft wie gesehen für mich, aber flexibler Preis nach oben für den Veranstalter?
      Nicht wundern ...

      auf den Vorschlag von manana habe ich die beiden Threads "Ab Sommer 2018 soll geändertes Reiserecht gelten" und "Neues Gesetz für Pauschalreisen" in diesem Thread hier unter der Überschrift "Neues Gesetz für Pauschalreisen" zusammengefasst.
      Ich denke, so ist es übersichtlicher und die Informationen sind schneller zu finden.

      Gruß ennis
      Als Gott die Zeit gemacht hat, hat er genug davon gemacht (irisches Sprichwort)
      @Dagmar @Klatschmohn

      Die neue EU-Pauschalreise-Richtlinie sieht in der Tat auch die Rückerstattung eingesparter Kosten durch den Reiseveranstalter vor, soweit diese nach der Buchung fallen und das Recht auf Preiserhöhung gegen Nachweis (max. 8 Prozent bis 20 Tage vor Urlaubsbeginn) vom Veranstalter im Vertrag festgeschrieben ist und hier klar erläutert wird.

      Wird aber in der Praxis eher schwierig werden.

      Wer Gesetzestexte lesen mag, es geht um §651f:
      bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?s…esanzeiger_BGBl&start=//*[@attr_id=%27bgbl117s2394.pdf%27]#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl117s2394.pdf%27%5D__1531809885775

      manana schrieb:


      Wird aber in der Praxis eher schwierig werden.


      Das ist genau der Punkt. Wer will das nachweisen und dann mit dem Veranstalter herumschlagen. Ich nicht!

      Es wird sich in der Praxis zeigen, wie sich die Richtlinie für den Verbraucher auswirkt, bei gewöhnlichen Flug- Pauschalreisen möglicherweise gar nicht, wenn nicht weitere Airlines in die Knie gehen und Veranstalter Flugleistungen neu einkaufen müssen.

      Interessant wird die Richtlinie für den "Wachstumsmarkt" Kreuzfahrt und hier wenn die Kreuzfahrtleistung mit einem Flugpaket für An- und Abreise kombiniert wird. Als Kombination von Reiseleistungen fällt dies unter die Richtlinie. Nun ist es so, dass die Preise für die Flugpakete kurzfristig teils heftig schwanken und dass zu frühen Buchungszeitpunkten oft weder die Airline noch die Flugzeiten bekannt sind und diese sich auch nach Bekanntgabe noch einmal ändern können. Neben den oft horrenden Preisen ein Grund, warum wir wenn möglich darauf "verzichten". Mal gespannt, ob diese Praxis so beibehalten werden kann...
      Man muss sich nicht nur mit dem Reiseveranstalter herumschlagen, sondern der Reisende ist auch noch beweisbelastet für den Mangel, Mangelanzeige/Abhilfeverlangen und die sonst. Pflichtwidrigkeiten des Veranstalters. Vergl. hierzu Palandt, Kommentar zum BGB, 77. Auflage 2018 Randziff. 7 zu § 651 f BGB. Wer macht da im Falle eines Falles alles richtig und sichert die Beweise vor Ort gerichtsfest. Fazit: Pauschalreisen in Zukunft nur in Begleitung mit dem Rechtsanwalt meines Vertrauens? :con: H. W. F.

      justizfachwirt schrieb:

      der Reisende ist auch noch beweisbelastet für den Mangel, Mangelanzeige/Abhilfeverlangen und die sonst. Pflichtwidrigkeiten des Veranstalters


      wenn etwas querläuft, muss man sich SOFORT zuerst mit der Reiseleitung in Verbindung setzen, um die Mängel anzuzeigen und Abhilfe zu verlangen. Fotos und/oder Zeugen sind da hilfreich. Ansonsten den Veranstalter oder das Reisebüro/Onlineportal, welches die Buchung durchgeführt hat, informieren. Also nicht erst zu Hause beschweren.
      Die Hochachtung vor dem Denken anderer gibt dem eigenen Denken erst den richtigen Respekt. (Paul Schupp) :abklatsch:
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