Südwest-Kreta

      Als ich mit der letzten Fähre nach Loutro zurück fahre, steht auch ein kleiner Lastwagen an Bord. Es ist der Obsthändler, der so mit der Fähre auch die abgelegenen Orte erreichen kann.
      In Loutro parkt der Händler auf dem Anleger, verkauft seine Ware und bleibt über Nacht....



      ....schläft im Führerhaus und fährt mit der ersten Fähre morgens zurück.

      Am Abend steht dann der Vollmond am Himmel, ich habe den Mondaufgang über dem Meer verpasst. Naja, morgen ist auch noch ein Tag, mein letzter voller Urlaubstag an der kretischen Südküste.

      Ich will mir die weitere Südküste östlich Frangokastello anschauen und mal grob in Richtung Matala fahren. Das Wetter ist wieder gut, keine Wolke steht am Himmel. Am Strassenrand liegen wieder die Ziegen im Schatten der kleinen Mäuerchen, die als Leitplanke und Absturzsicherung dienen. Wenn man aus dem langsam fahrenden oder rollenden Wagen heraus fotografiert, bleiben die Ziegen liegen.



      Wenn man jedoch kurz anhält, die Kamera nimmt und das Foto machen will, ist zumeist die jüngere der Ziegen schon auf dem Sprung.



      Allenthalben kommt man an Kapellen "en miniature" vorbei, die direkt neben der Leitplanke stehen...



      ... oder an Rastplätzen und Aussichtspunkten, die dann schon Mal etwas größer ausfallen können.



      Wo gar eine Bushaltestelle ist, da wird dann schon eine große Kapelle hingebaut.



      Ich komme durch kleinere Ansiedlungen, wo es strassentechnisch sehr eng zu geht, bei Gegenverkehr und geparkten Wagen in zweiter Reihe ist Geduld gefragt. Ich muss eine größere Straße erreichen um nach Matala zu kommen, so wird das nichts, denn ich muß ja die letzte Fähre zurück in Chora Sfakion um ca. 18:30 Uhr noch erreichen. Hinter Frangokastello bin ich dann endlich auf einer größeren , aber auch höher gelegenen Küstenstraße unterwegs. Der Blick zurück nach Westen zeigt eine steilere Küste an der ab und an kleine Buchten zu finden sind.



      Und in der Ferne, vom Dunst über dem Meer fast verschluckt, sieht man die Berge an der Küste von Matala



      Das ist dann ganz eindeutig zu weit, das wird dann in diesem Urlaub nicht mehr zu erreichen sein. Ich will ja auch nicht den ganzen Tag nur Autofahren. Wenige Kilometer weiter hat man einen tollen Ausblick auf eine weit geschwungene Bucht.



      Irgendwie kommt mir diese Bucht seltsam vertraut vor, jedoch ist mir der Blick aus dieser Perspektive auf die Bucht neu.
      So dauert es ein wenig, bis bei mir der "Groschen" fällt. Das ist die Bucht von Plakias, hinter dem Kap rechts neben dem Strand liegt Damnoni Bay. Dort bin ich 10 Jahre zuvor gewesen und habe einen herrlichen Urlaub erlebt. Da will ich nun hin und mir mal anschauen was aus diesem Ort der Ruhe und Gelassenheit geworden ist.
      Es ist nicht leicht, den richtigen Abzweig von der Straße hinunter zu erwischen. Mal steht man unvermittelt vor einer Baustelle, mal endet die Straße an einem Anwesen.



      Aber ich komme dennoch unten an und fahre am Strand entlang, ein paar wenige Häuser sind hinzugekommen, aber der Ort hat noch seinen "Flair" behalten.
      Ich bin neugierig, ob es dieses kleine 3* Hotel Damnoni Bay noch gibt. Nach ein paar Umwegen komme ich zum Hotel, es scheint noch in Betrieb zu sein. Damals waren die Zimmer einfach eingerichtet, ein Doppelbett, zwei Stühle, ein Schrank, eine kleine Nasszelle und ein Balkon.
      Das Bett war nur 1,90 Meter lang, ich konnte nur diagonal gelegen dort schlafen oder aber ich nahm die Matratze mit hinaus auf den Balkon und schlief dort. Das war damals dort im Mai, als ein kräftiger heißer Wind blies, auch angesagt, die Temperaturen lagen in der Nacht noch immer um die 25 Grad.

      Es hat sich etwas getan in der Umgebung des Hotels, kleine Ferienhäuser mit Pool sind daneben entstanden, ob sie zu dem Hotel als Erweiterung gehören, weiß ich nicht.



      Unten drunter, direkt am Strand, steht eine Hapimag-Anlage. Eine "Urlaubsform", der ich wenig bis gar nichts abgewinnen kann.

      Hinter dem Strand gibt es zwei ganz kleine Buchten, die als "Schweinebuchten" bezeichnet wurden, da dort der Bereich für FKK war.
      Ich fahre zurück zum Ort und komme an einem Gehege vorbei. Diesem Bock möchte ich aber in freier Wildbahn nicht begegnen wollen.



      Ich schaue auf die Uhr und auf die Karte und überlege wohin ich noch fahren könnte. Mir fällt Georgioupolis an der Nordküste ein, da war ich vor 12 Jahren für 2 Wochen im Urlaub.
      Damals; damals war ich mit einer Bekannten, mit der ich auch mehrere Urlaube auf Fuerteventura, La Palma, Madeira und der Türkei verbracht hatte, dort. Der Urlaub damals fing verspätet an, die Kofferanlage am Flughafen Düsseldorf war ausgefallen und wir starteten mit 4 Stunden Verspätung. Allerdings flog damals noch LTU und die 1.Klasse im Flugzeug war nur spärlich besetzt. Ich fragte damals eine Stewardess, da ich auf meinem Sitzplatz nur 2 Zentimeter Kniefreiheit hatte, ob ich mir noch ein wenig die Beine vertreten könne und Sie bot mir an, doch einen Platz in der größtenteils ungenutzten 1. Klasse einzunehmen. HERRLICH, meine Bekannte holte ich nach und wir flogen 1. Klasse im Liegesitz nach Kreta. Das böse Erwachen kam dann am Zielort; unsere gebuchten Einzelzimmer im 700 Meter vom Strand entfernten Hotel waren zwischenzeitlich vergeben worden und man bot uns eine Doppelzimmer an, das wir beide energisch ablehnten. So wurde herum telefoniert und wir wurden in einem leer stehenden 2-stöckigen Apartmenthaus 50 Meter vom Strand entfernt einquartiert. Dieses Haus stand sehr naturnah, auf dem Steinboden liefen Kellerasseln und Kleinstameisen, an den Wänden hinter den Lampen versteckten sich Geckos und auf der Terrasse konnte man über Schildkröten stolpern. In diesem Urlaub lernte ich Respekt vor den Geschöpfen der Evolution zu haben. Ein kleiner grüner Frosch saß des Nachts auf dem Glasfenster des Bads. Als ich das Fenster öffnete, sprang er weg. Ich fand ihn wenig später auf dem Handlauf des Geländers der Terrasse sitzend wieder. Ich dachte bisher immer, Frösche springen einfach und sie wissen nicht wo sie landen. Herrliche Erinnerungen an den Urlaub in Georgioupolis und Umgebung.

      Nun fuhr ich also wieder dorthin, ein Souvenir wollte ich dort kaufen. Was für eine Gegensatz zu Plakias und erst Recht zu Loutro.
      Menschenmassen schoben sich durch die Straßen, ich hatte schon Probleme einen Parkplatz zu sichten. Endlich fand ich einen halben Parkplatz neben einem Baum, den ich nur nutzen konnte, wenn man im rechten Winkel hineinfuhr. So konnte ich stehen bleiben. Als ich nach 20 Minuten zurück kam stand ein anderer hinter meinem Wagen und vor dem Baum. Das wäre parken in zweiter Reihe und somit für mich nicht machbar gewesen, aber Griechen haben da keine Probleme mit. Ich erhielt auf Nachfrage im nächsten Souvenirladen den Hinweis es im nächsten Restaurant zu versuchen und dort saß tatsächlich der Fahrer des Wagens, der dann auch nach mehr als 5 Minuten erschien und mich ausparken ließ.
      Ich fuhr nun weiter ostwärts nach Kourna, dort wo das Apartmenthaus steht. In der weiteren Umgebung sind viele Anlagen entstanden, die dazu gehörige Infrastruktur ( Imbissbuden, Souvenirläden, Mietwagenfilialen samt Werkstätten ) reihen sich an der Nebenstraße der Old National Road im steten Wechsel aneinander. Hier kann ich mir einen weiteren Urlaub nicht mehr vorstellen und ich flüchte zurück nach Chora Sfakion und nach Loutro. Ich fahre mit der kleinen Fähre Neptune und komme mit Eftiki, der ein wenig deutsch spricht, ins Gespräch. Er hat früher in der Samariaschlucht gearbeitet, diese Arbeit war anstrengend, aber seit ein paar Jahren arbeitet er in der Saison auf der Fähre. Diese Arbeit tut ihm gut, er ist für das An- und Ablegen, im Bedarfsfall auch Sperrgut wie z.B.Mofas auf dem Boot zu verstauen, zuständig.



      In Loutro bin ich rechtzeitig zum Mondaufgang vor Ort.



      Mein letzter voller Urlaubstag ist nun vorbei, morgen gehts es heim.
      Am nächsten Morgen verlasse ich Loutro. Elf schöne Tage habe ich dort verbracht, im Nachhinein betrachtet hätten an diesem Ort auch 4 Tage gereicht. Zum allerletzten Mal nehme ich die Fähre, mit dem Auto fahre ich dann nach Chania.
      Ich will mir noch die Altstadt, die ich vor etlichen Jahren mal gesehen hatte, ansehen und die Verpflegung für den Flug besorgen. Ich parke den Wagen am erstbesten Parkplatz, ein ganzes Stück vor der Altstadt. Auf dem Weg dorthin gerate ich auf einen Markt, der sich über mehrere Strassenzüge ausdehnt.
      Ich komme an einem Gotteshaus vorbei und wundere mich, das dort ein Glockenturm und ein Minarett nebeneinander existieren.



      Es handelt sich um die Sankt-Nikolaus Kirche, sie wurde um 1320 erbaut und hat als einzige Kirche Griechenlands einen Glockenturm und ein Minarett, denn nach der Eroberung Kretas durch die Osmanen um 1645 wurde die Kirche als Moschee genutzt, ein Glockenturm wurde abgerissen und dafür das Minarett errichtet.
      Die Gassen der Altstadt sind recht schmal, verlaufen kann man sich eigentlich nicht.





      Ganz unvermittelt stehe ich kurze Zeit später am venezianischen Hafen, die Häuser stehen ganz dicht am Wasser



      Ich umrunde die Bucht und schaue mir noch den Leuchtturm an, der am Eingang des Hafens steht.



      Chania ist eine wunderschöne Stadt, aber die vielen Menschen dort waren mir einfach zuviel auf einmal.
      Ich besorge mir noch 2 kleine Pizzastücke und ein Baguette und fahre zum Flughafen.
      Der Flieger startet fast pünktlich um kurz vor 19 Uhr, die Sonne steht schon tief am Himmel, es folgt mein längster "Sonnenuntergang".





      Erst als das Flugzeug nach mehr als 3 Stunden die Reiseflughöhe verlässt, geht auch für uns im Flieger die Sonne endgültig unter.




      :da: für das positive Feedback einiger Leserinnen und Leser. :lupf:

      Es hat mich gefreut und motiviert weiter zu schreiben. Das ist ja manchmal nicht einfach, man ist beruflich und privat eingebunden, der Urlaub ist ja auch schon fast ein Jahr vorbei und trotzdem möchte man den Erwartungen der User auch hier gerecht werden.
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