Südwest-Kreta

      Zurück in Loutro sehe ich diese schmucke Motorjacht, auf der man in stilvollem Ambiente an der Küste entlang fahren und in einsamen Buchten schwimmen gehen kann. Nicht ganz meine Welt.
      Im Hintergrund die Neptune, die immer nur zwischen Loutro und Chora Sfakion hin und her fährt.



      Am nächsten Tag fahre ich mit der Fähre nach Agia Roumeli, aber nach dem ablegen der Fähre fährt diese rückwärts bis in die Mitte der Bucht, um dann zum Strand zu fahren. Die Fähre hat im vorderen Bereich wenig Tiefgang, kann bis ganz an den Strand fahren um dort einen Lieferwagen abzuladen, der zwischen den Liegen der Strandbesucher hindurch fährt. Ich stehe vorne an einer Bank um das Manöver mitzubekommen, als eine Frau auf diese Bank steigt um auch zuschauen zu können und sich wie selbstverständlich an meiner Schulter festhält. Als die Fähre wieder zurück fährt helfe ich natürlich der Frau wieder auf das Deck hinab zu steigen.
      Dann gehts aber nach Agia Roumeli, ein leeres Piratenschiff kommt uns entgegen, sonst ist nur die Fähre unterwegs. Man merkt, die Saison hat gerade erst angefangen. Das Meer ist wie so oft in meinem Urlaub ganz ruhig. Wir kommen an Marmara Bay vorbei, dem Schluchtausgang der Aradena Schlucht.



      Der Küstenstrich nach Agia Roumeli ist unbebaut, Natur pur sozusagen durch den sich nur der Küstenwanderweg zieht. Nach gut 30 Minuten Fahrt kommen wir zum Schluchtausgang der Samaria-Schlucht...



      ...denn dort liegt die kleine Ansiedlung. Seit meinem letzten Besuch hier sind ein paar Häuser hinzu gekommen, in denen man nun Apartments oder Studios mieten kann.
      Mit einer Frau aus der Schweiz habe ich schon auf der Fähre ein wenig Kontakt gehabt und nun gehen wir gemeinsam in die Samaria-Schlucht, an deren Ausgang am Hang eine ganze Batterie von Bienenkästen steht.



      Kurz danach führt der Weg knapp neben dem Bach, der aus der Schlucht strömt und aus dem Schmelzwasser der Berge besteht, entlang. Dort an dem Häuschen befindet sich auch die Kasse.



      Auch wenn man von unten in die Schlucht hinein will muß man 5 Euro bezahlen. Mit den Einnahmen werden unter anderem die Ranger bezahlt und der ganze Müll entsorgt, der von den Wanderern zurück gelassen wird. Mich interessieren vor allem die Gesteinschichten am Rand der Schlucht



      Der Weg ist gut in Schuß, auf einem betonierten Teilstück können erschöpfte Wanderer einen Shuttlebus nutzen um nach Agia Roumeli zu kommen. Weil sich das rechnet, ist wahrscheinlich dort der Wanderweg zubetoniert worden. :(
      Aber danach rücken die Seitenwände allmählich aufeinander zu, die Schlucht wird enger.



      Fortsetzung folgt
      Hinter dieser Brücke (siehe letztes Bild) wird der Weg wieder breiter, wir kommen an eine Raststation mit Toiletten und Brunnen, die auf einer Lichtung in einem Wäldchen angelegt ist. Wir ruhen ein wenig, schauen in die erschöpften Gesichter so mancher Wanderer. Die sind aber auch schon bei Temperaturen von 25 Grad gut 10 Kilometer durch die Schlucht gewandert.
      Wir wollen zumindest noch die engste Stelle der Schlucht passieren bevor wir umkehren und so machen wir uns wieder auf.
      Wieder sind schöne Schichten im Gestein zu sehen...



      ...und bald danach verläuft der Weg im Bachbett, teils auf noch trockenen Steinen...



      ...oder auf einem Steg der aus Holzplanken besteht. Das Bild entstand kurz nach der engsten Stelle, der Blick geht Richtung Schluchtausgang an der Küste



      Ich versuche immer so wenig Touristen wie möglich auf meinen Bildern zu haben, aber das gelingt nur selten. Im nächsten Bild ist endlich mal kein Tourist zu sehen, eine Seite der Schlucht besteht aus einer fast senkrechten Steilwand...



      ...in der trotzdem Bäume wachsen.



      Meine Mitwanderin möchte zurück, aber ich habe noch etwas gesehen; nicht mehr viel weiter sind tolle Schichten in der Felswand zu sehen, die ich mir noch anschauen will



      Wie von einem riesigen Fräser sind die Schichten der Felswand freigelegt



      Auf dem Rückweg kommt uns noch ein Ranger auf einem Muli entgegen, die untere Schicht der Schlucht besteht nun aus einem Konglomerat aus verschieden großen runden Steinen.



      Zurück in Agia Roumeli haben wir noch genug Zeit etwas zu essen, bevor die Fähren nach Chora Sfakion und Paleochora abfahren. Ich verabschiede mich alsbald auf der Rückfahrt von meiner netten Wanderbegleitung, denn sie hat ihre Unterkunft in Frangokastello.
      Am nächsten Morgen komme in an Bord der großen Fähre kurz bevor sie abfahren will. Ich gehe immer direkt zum Heck um dort die frische Luft zu geniessen, jedoch steht diesesmal der Wind ungünstig, beim Anker einholen wird das Heck in blaue Abgasschwaden gehüllt. Das habe ich noch gar nicht bemerkt in den letzten Tagen, man muß schon aufpassen wo man sich hinsetzen will.



      Ich fahre mal wieder hinüber nach Chora Sfakion um dann an der Südküste entlang Richtung Osten zu fahren und mir mal Frangokastello anzuschauen. Bis auf das Kastell ist aber nicht viel zu sehen



      Der Strand ist am späten Vormittag noch fast leer, das Mittelmeer liegt fast so ruhig wie bei uns zuhause die Baggerseen. Das Fehlen von Wellen war ein Grund warum ich lieber auf eine Insel im Atlantik fliege, als zum Mittelmeer zu fliegen.



      Von dort fahre ich dann über eine einspurige Straße hinauf in die Berge. Ich will nun endlich wieder wandern, aber die Landschaft in die ich komme, läd so gar nicht zum wandern ein.



      An den Straßenschildern ist nun erkennbar, das aus diesem Landstrich die Freiheitskämpfer kommen. Viele Verkehrsschilder dienen als Zielscheibe, wobei man meistens noch erkennnen kann, worauf man achten soll...



      ... bei anderen Verkehrsschildern ist wohl Rätselraten angesagt



      Ich komme nach Kallikratis, einer kleinen Ansiedlung, die aus vielen einzeln stehenden Häusern besteht, mit viel Grün dazwischen. Das viele Grün ist auch mit unzähligen Zäunen gesichert und es gibt auch dort keinen Weg zum wandern. An einer Taverne halte ich an, bestelle Tzaziki und frisch gepressten Orangensaft, an einem Baum hängen die Schädel der geschlachteten Schafe. Das Tzaziki ist ein wenig scharf, aber es schmeckt mir, ein besseres habe ich in diesem Urlaub nirgendwo bekommen.



      An einem Berghang, der mit vielen eindrucksvoll geformten Schichten aufwartet...



      ....stehen oberhalb einer Quelle die schönen Pflanzen des Drachenwurz. Diese Pflanze zeichnet sich durch einen schwarzen Blütenstengel, der von einem violetten Blütenblatt umrahmt ist, aus. Diese Farbe gefällt mir sehr gut.





      Ich fahre zurück nach Chora Sfakion und gleich weiter hoch nach Anopoli und dann zur Brücke über der Aradena-Schlucht. Es ist Sonntag und die Plattform des Bungeejumping ist in Betrieb.



      Auf dem kleinen Parkplatz hinter der Brücke ist kein Platz mehr frei und so parke ich den Wagen an einer Steinmauer am Straßenrand.
      Schon allein so wie dieser Mann auf der Plattform, obwohl gesichert, zu stehen, würde mir nicht im Traum einfallen.



      Und wenig später stürzt sich dann eine junge Frau mit einem Schrei in die Schlucht.



      Die Breite der Schlucht an der Brücke beträgt wohl um die 30 Meter, aber unten am Wanderweg ist davon nur mehr 4 Meter übrig. Man springt also ins Nichts wobei die Schluchtwände beim immer tieferen Fall immer näher kommen. Noch ein zusätzlicher Nervenkitzel.
      Bei diesem Sprung geht alles gut und selbst beim zusehen, wie die Frau dann wieder heraufgezogen wird, möchte ich auf keinen Fall mit ihr tauschen. Danach springt auch noch ein Mann, selbstverständlich mit einem Selfiestick am lang ausgestreckten Arm lautlos in die Schlucht.
      Am nächsten Tag möchte ich endlich wieder wandern und obwohl ich schon gegen 10 Uhr los gehe, ist es sehr warm.
      Hinter den Häusern von Loutro führt ein Wanderweg den Hang hinauf...



      ...oben an den Ruinen des alten Loutro aus der Zeit der Phönizier vorbei.



      Der Schatten unter den Bäumen ist bei allen Lebewesen heiß begehrt



      Oberhalb Finikas gehts dann in die nächste Bucht wieder runter.



      Auf dem Weg zur Schlucht habe ich 2 mal den falschen Weg genommen, ich wähnte mich noch auf dem richtigen Weg, aber das Schild hat wohl ein Scherzbold irgendwo weit weg von der Schlucht an einen Zaun gelehnt.



      Erst als ich über ein Felsplateau laufe und dem Riss in der Landschaft immer näher komme, zweifel ich daran, das es dort einen Weg hinab in die Schlucht gibt. Hier der Blick zurück nach Lykos.



      Wenig später stehe ich an der Steilwand oberhalb der Schlucht und muss erkennen das dort kein Weg hinab führt.



      Unter mir an der Küste sehe ich einen Weg der nach Marmara Bay führt und der dann weiterführt zum Eingang zur Schlucht.



      Ich muss zurück, mir einen Weg hinunter zur Küste suchen und bin mit dieser Verzögerung erst Mittags am Eingang zur Schlucht.
      Teilweise steht die Schlucht schon voll im Sonnenschein, die Schlucht heizt sich auf. Einzig der auflandige Wind, der durch die Schlucht zieht, macht das wandern dort erträglich. Die im Schatten liegenden östlichen Steilwände der Schlucht werden von der gegenüberliegenden Felswand erhellt und leuchten in sattem Ockerton.



      Stellenweise habe ich noch "Glück" und kann im Schatten wandern...



      ...jedoch oft laufe ich in der prallen Sonne.



      Seltene Schattenplätze werden zu Rastplätzen genutzt, das Thermometer steht auf 27 Grad, stellenweise liegt die Temperatur zwischen den aufgeheizten Felswänden um einiges höher.



      Die vielen Geier der Region konnte man schön an den Schluchtwänden entlang fliegen sehen.



      Nach ca. 300 Höhenmetern bin ich platt, ich bin es leid angesichts des nächsten Kletterabschnitts weiter die Schlucht hoch zu wandern.



      Auf dem Rückweg fallen mir dann kleine Höhlen an den Seiten auf, die natürlich von Ziegen belegt sind, die vor der grellen Sonne dort hinein "geflüchtet" sind.


      Auf dem Rückweg zur Küste, bei dem ich mir viel Zeit lasse, laufe ich im unteren Teil der Schlucht auf eine Familie mit kleinem Kind auf. Die junge und recht attraktive Frau dreht sich herum, sie hat mich wohl gehört, und spricht mich auf deutsch an. Sie hat mich direkt als einen Deutschen erkannt, obwohl ich ohne Sandalen, Tennissocken und kurzer Hose unterwegs bin. ;)
      Sie möchte das ich mit ihrem Handy ein Erinnerungsbild von Ihnen mache. Dafür setze ich mich hin, schließlich soll ja auch die Schlucht als eine solche erkannt werden, denke ich. Da reicht es nicht eine Felswand im Hintergund zu sehen. Nach mehreren Bildern bietet sie mir an, mir aufzuhelfen und tatsächlich schafft sie es, mich auf die Füße zu ziehen. Das hätte ich der schlanken Frau niemals zugetraut.

      Ich bedanke mich und gehe dann weiter zur Küste, die nicht mehr allzuweit entfernt ist. Am Schluchtausgang schaue ich den Badenden zu, eine Wunde am Knöchel verleidet mir das erquickende Bad. Nach einer Weile kommt die junge Familie und ich werde gefragt, ob ich mich nicht zu Ihnen in die Taverne setzen möchte um eine Kleinigkeit zu essen. Natürlich nehme ich den Vorschlag gerne an und so kommen wir ins Gespräch. Ihre Tochter, gerade 2 1/2 Jahre alt, muss zur Toilette, die kleine läuft vor und Claudia, so heißt die junge Frau, läuft ihrer Tochter hinterher. Wenige Sekunden später schreit ein Kind, es brüllt vor Schmerz. Claudias Tochter hat eine Ministufe übersehen oder auch nur einen uneben liegenden Stein, ist mit dem Füßchen hängengeblieben und knallt mit dem Kopf auf die Steine. Sie hat Glück im Unglück gehabt, es gibt keine Platzwunde, jedoch schwillt eine fast rechteckige Beule auf der Stirn. Claudia wickelt den Eisbeutel, den sie an der Bar angefordert hat, in ein Tuch und hält ihn ihrer Tochter auf die Beule. Nach wenigen Minuten beruhigt sich das kleine Mädchen und nach weiteren Minuten fragt Claudia ihre Tochter ob es noch weh tut und sie verneint. Ich konnte es gar nicht glauben, mit tat das kleine Mädchen so leid.
      Was soll man an einem so abgelegenen Ort bei einem Unfall auch machen, die nächste Fähre kommt erst in eineinhalb Stunden. Wir essen in Ruhe zu Ende, es ist als hätte Claudias Tochter den Unfall und den Schmerz schon vergessen. Ich erfahre das Claudia an diesem Tag Geburtstag hat und wir stossen darauf an. Die Tochter will ins Wasser, schwimmen gehen und so geht die Familie zum Strand und ins Wasser. Ich setze mich an der Anlegestelle in den Schatten und lese in meinem mitgenommenen Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" von Yuval Noah Harari mit dem Untertitel "Krone der Schöpfung oder Schrecken des Ökosystems?"
      Genau das richtige Buch für mich und für diesen Urlaub auf Kreta.



      Die Zeit verstreicht, die kleine Fähre kommt und bringt uns zurück nach Loutro. Wir verabreden uns zum gemeinsamen Salatessen im Ilios-Restaurant am frühen Abend, ich bin eingeladen. Claudia erzählt was sie beruflich so macht, wo sie herkommt und mir bleibt der Mund offen stehen.
      Sie kommt aus Hilden, gerade mal 20 Kilometer von meinem Wohnort entfernt, sie ist Schauspielerin, Sängerin, Synchronsprecherin und die Stimme der "Tagesschau". Sie gibt mir ihre Visitenkarte, die ich noch heute in meinem Portemonnaie habe. :)
      Sie hat eine eigene Homepage: claudiaspricht.de/

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