Die Geschichte der"Casa de los Coroneles"

      Die Geschichte der"Casa de los Coroneles"

      Die Geschichte der "Casa de los Coroneles"

      Um die C.d.l.Coroneles handelt es sich nicht nur um ein feudales Herrenhaus im Herzen des Inselnordens, sondern fast um einen eigenständigen, unabhängigen Ort im Ort und in der Gemeinde La Oliva, einen Mini-Stadtstaat sozusagen. Eine sich selbst versorgende Pseudo-Festung, denn dem Gebäude zugehörig war ein weitläufiges Grundstück und zahlreiche Ländereien. Noch heute kann man die Ausmaße dieses rießigen Grundstückes und zahlreichen, von Mauern gesäumten Wege sehen, die das Haupthaus mit anderen Gebäuden des Gutes verbinden.
      Der älteste Teil des Hauses stammt aus der Mitte des 17.Jhd. In jener Zeit ließ sich die einflußreiche, und die Insel Fuerteventura beherrschende Familie Cabrera Bethencourt in La Oliva nieder. Als militärischer Machthaber konnte sich der erste Oberst der Insel, rießige Ländereien aneignen und immer mehr politischen Einfluß gewinnen. Bald gehörte der Familie fast ein drittel der Insel. So erstaunte es nicht, daß man ein größeres Landgut als die Casa de los Coroneles auf den gesamten Kanaren vergeblich suchen wird. In einem ihrem Stand würdigen Haus, das gegenüber den wenigen, einfachen Bauernhäusern der Umgebung sich wie ein Palast ausnahm, residierte die Familie Cabrera Bethencourt.
      Das Gebäude, welches später als Casa de los Coroneles in die Geschichte der Insel eingegangen ist, war zur Zeit seiner Errichtung und erst recht in den darauf folgenden Jahrzehnten ein weiteres Beispiel für die Architektur der Herrschenden Klasse auf den Kanaren. Ein Gebäude, das schon durch sein äußeres Erscheinungsbild den Reichtum und die Macht seiner Bewohner demonstrierte, gleichsam ein abseits gelegenes Schloß, in dessen Mauern man die zahlreichen Piratenangriffe auf die Insel nur als entferntes Rumoren vernahm, und auch die Kämpfe gegen die Engländer im Jahre 1740 waren in diesem palastähnlichen Gebäude in La Oliva nur als geringes Echo zu vernehmen. Hier wohnten diejenigen, welche damals über das Geschick der Insel entschieden, und sie lebten wie die Feudalherren, die sie waren.
      Mit dem Verlegen des Wohnsitzes der Familie Cabrera in dieses neue, prächtige Gebäude wurde der Ort La Oliva gleichsam zu einer Art halbamtlichem Regierungssitz der Insel und zum militärischen Zentrum, weit fort von der in den Bergen gelegenen offiziellen Hauptstadt Betancuria. Der Standort des Hauses hätte nicht besser sein können: Die Hauptfront des Gebäudes ist gegen den Ortskern von La Oliva gerichtet, liegt dem Turm der Kirche gegenüber und das bescheidenes Haus des Kaplans gegen die Extravaganz des pompösen Herrenhauses nichts ausrichten konnte. Ein Palmenhain begrenzte das Grundstück in seinem hinteren Teil. Gegen Tindaya zu, den heiligen Berg der Ureinwohner, bildet sich zur Zeit der Winterregen ein kleiner natürlicher See, der der illustren Familie zur Freizeitgestaltung diente, denn sein ungewöhnliches Ausmaß ließ sogar Bootsfahrten zu.
      Seinen letzten eleganten Schliff und damit die Majestät des Gebäudes bekam das Herrenhaus jedoch erst durch die Arbeiten, die der Enkel des Erbauers, Agustin Cabrera Bethencourt y Dumpierrez (1743 -1828) über die Einhundert Jahre nach der Errichtung des ältesten Teils des Hauses durchführen ließ.
      Zu beiden Seiten des Herrenhauses sind heute noch die Ruinen der Bauernhäuser zu sehen, die zum Gut gehörten, ebenso wie die Lagerhäuser, Werkstätten, Remisen und die Wasserreservoirs, kurz alles was zu einem sich selbstversorgenden Gut gehörte.
      Und doch ging auch dieser Mini-Staat den Weg alles Vergänglichen. Die Familie Cabrera verließ das Haus und den Ort La Oliva als Königin Isabella II. von Spanien im Jahre 1859 die Auflösung des Miliz-Regiments verfügte, und den Oberst entmachtete. Damit ging die Geschichte der Casa de los Coroneles zunächst zu Ende. Bauernhäuser, Lager und Geräteschuppen, Remisen und das Haus des Verwalters verfielen und auch das einst so prächtige Herrenhaus konnte dem Zahn der Zeit auf die Dauer nicht totzen.
      Bis 1944 gehörte das Herrenhaus einer großen Erbengemeinschaft, Nachfahren der einstigen Herren von Fuerteventura. Danach konnte die Inselverwaltung (Cabildo Insular) das Anwesen erwerben.
      Die Casa de los Coroneles ist ein Stück Historie der Insel, und ein Symbol einer Geschichtsperiode der gesamten Kanaren. Es ist das erste Zivilgebäude auf Fuerteventura und eines der wichtigsten der gesamten Kanaren.
      Am 13. Juni 1979 wurde die Casa zum "Nationalen Historisch-Künstlerischen-Monument" erklärt. Ab Ende der 70er Jahre bis 1982 wurden ganz zaghafte Renovierungsarbeiten unternommen, aber mit der Subvention von 30.Millionen Pesetas die von der " Generaldirektion der Schönen Künste"zur Verfügung gestellt wurden, konnte man nur den notwendigsten Mängel genüge tun.
      Bis Ende der 90er Jahre hatte man keinerlei Restaurierungen an diesem einstigen Prachtbau unternommen, der Verfall schritt mit Riesenschritten voran, was besonders deutlich an den Holzarbeiten zu merken war. Als man dann einen Architekten- Wettbewerb ausschrieb, der dazu diente nicht nur das Gebäude zu restaurieren, sondern ihm auch eine soziale Zukunft zu geben, so konnte der Zuschlag an einen Architekt vom Festland gegeben werden, der für eine originalgetreue Restaurierung der gesamten Bausubstanz unter Einbezug moderner Elemente und schlug als Verwendungszweck des restaurierten Gebäudes die Unterbringung eines Museums in diesen historischen Räumen vor.
      2001 wurde dann mit den überfälligen Renovierungen begonnen.
      Die Renovierungen wurden im November 2006 beendet und die Casa in neu erstrahlter Pracht wieder eröffnet.
      Zur Eröffnung kam auch das spanische Königspaar.

      Man fragt immer wieder, was bedeutet die Geschichte der 365 Türen und Fenster der Casa? Fast in jedem Reiseführer findet man es, aber nie erklärt.
      Wenn man sich die Casa anschaut, die wunderbaren Holzarbeiten (Türen und Fensterläden), diese sind alle mit dem typischen Kasettenmuster der spanischen Schreiner versehen. Es heißt, wenn man alle diese Kasetten zusammen zählt, kommt man auf 365. Ich habe sie noch nicht gezählt.
      Bis dann, viel Spaß beim lesen.
      Kalahari =)
      Gott gab den Europäern die Uhr, den Afrikanern die Zeit. :D
      Übrigens ein lohnender Punkt für eine Besichtigung. Ich empfand es als wohltuend beruhigend und entspannend, fast allein durch die Räume zu spazieren und mir alles anzusehen.
      In einigen Räumen befand sich auch eine Kunstausstellung, wahrscheinlich nicht jedermanns Geschmack, aber auch für den nicht Kunstinteressierten absolut nicht störend.
      Leider war's dieses Jahr im Januar geschlossen, anscheinend wurde renoviert. Laut Prospekt von 2008 geöffnet Dienstag bis Sonntag (Montag geschlossen) von 10.00 bis 14.00 Uhr und von 16.30 Uhr bis 19.00 Uhr - Eintritt frei.
      Vielleicht kann jemand mal mitteilen, ob es wieder geöffnet ist und die Zeiten noch stimmen.

      Gruß ennis
      Als Gott die Zeit gemacht hat, hat er genug davon gemacht (irisches Sprichwort)
      Ich bin jetzt dabei, die alten Dias zu digitalisieren.
      Hier ist schon mal ein schönes Beispiel für den Wandel.
      Dateien
      Die Hochachtung vor dem Denken anderer gibt dem eigenen Denken erst den richtigen Respekt. (Paul Schupp) :abklatsch:
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