Quo Vadis Corralejo

      Quo Vadis Corralejo

      Mein Lebensgefährte und ich fliegen seit 15 Jahren nach Fuerteventura, immer nach Corralejo. Wir mögen dort besonders die Gegend um den alten Hafen (Muelle Chico), die kleinen Bars und Restaurants, wir haben da unsere Favoriten ;) ...als Ausgangspunkt für Inselrundfahrten fanden wir es bisher auch ideal, zudem kam man praktisch und schnell nach Lanzarote. Ich als Stadtmensch brauche halt auch ein bisschen Infrastruktur, um mich zu beschäftigen.

      Klein war der Ort ja nie. Aber langsam fragen wir uns, wohin es noch gehen soll - und vor allen Dingen wie. Die Hälfte des Ortes besteht mittlerweile aus Billigläden mit chinesischem Plastikschnickschnack, "moderne" Fassaden schiessen aus dem Boden...die riesigen Oasis- oder andere All In-Anlagen mit billigster Abfütterung breiten sich immer weiter aus...dabei steht z.B. die Hälfte der Ladenlokale leer. Wer soll da rein, was haben die vor? Und alles nur billig, billig, billig. Was ist mit Qualitätstourismus, sind die daran gar nicht interessiert?

      Jetzt wird sogar das alte Hotel Hoplaco abgerissen und muss einem Shopping Center weichen, so haben wir von einem Einheimischen erfahren. Modernisierung um jeden Preis, um den Preis, dass altes landestypisches komplett verloren geht. Erhalten wird ja nur der alte Stadtkern um den Hafen rum. Besonders heftig fand ich das, da ich kurz vorher zu Hause noch einen Film gesehen hatte (auf Bienmesabe TV), wie der Ort noch vor 30 Jahren aussah...eben dieser Stadtkern, mehr nicht. Irgendwie krank.

      Wir überlegen tatsächlich, beim nächsten Mal nach Cotillo auszuweichen, wo wir uns auch immer wohlgefühlt haben - das ist auch gewachsen, bisher aber zum Vorteil, da man mehr Möglichkeiten hat (Restaurants, Cafes, nette kleine Läden mit handmade Zeugs), war ja doch recht einsam noch vor 15 Jahren...
      Treffender Bericht, nur die Antwort kann immer nur lauten, angeboten wird das, was nachgefragt wird.

      Das genannte Hotel in der Ortsmitte war eine alte Anlage, die ja auch nicht mehr in die Zeit passte. Habe den Abriss verfolgt, ging ganz flott.

      das Argument Qualitätstourismus fehlt, würde ich in Corralejo nicht bestätigen wollen. Ist halt mal mangels Nachfrage auf wenige Hotels beschränkt.

      bin mal gespannt, ob es Euch in Cotillo gefallen wird.
      ist halt mit das verschlafenste "Kaff" auf der Insel.

      Hat absolut seine Reize; ich liebe den Ort und die Umgebung über alles, aber mir wäre es da für einen längeren Urlaub zu ruhig.
      Das ist eine Insel des Massentourismus und wird das logischerweise auch bleiben, weil die entsprechende Infrastruktur fehlt und eine Umwandlung kaum möglich erscheint.

      Nebenbei: wäre das nicht so, wär ich gar nicht hier angelandet. Nicht weil ich auf Massentourismus stehe, sondern weil Massentourismus auch bezahlbare Flüge erzeugt.
      Im Vergleich zu meinethalben Malle finde ich es auf Fuerte immer noch sehr erträglich, zumindest in der Nebensaison, über die Vollsaison kann ich keine Aussage treffen.

      Es zwingt einen ja auch niemand mitten rein.
      Corralejo hat durch die Schwesterninselnähe durchaus einen gewissen Lagevorteil (dasselbe gälte für Morro und Gran Canaria), was mich fast dazu gebracht hätte dort zu siedeln, es gab jedoch kein wirklich vernünftiges Angebot - im Gegensatz zu Arrecife übrigens.
      Cotillo wie Corralejo sind ähnlich ab vom Schuss - sprich Flughafen - lagecharmemässig hat Cotillo meiner Ansicht nach da allerdings ohnehin die Nase vorn.
      Mal abgesehen von Los Molinos, nur gibt's da leider so wenig Unterkünfte. ;o)
      Grüssle Micha

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      Too old to die young!
      Hi Micha,
      ich bin ganz Deiner Meinung, Fuerte gehört nun mal zu den kanarischen Inseln die auf Massentourismus aus gerichtet sind. Alte Strukturen (und natürlich auch in Corralejo) fallen dem ggf. zum Opfer, wenn "Ertragsoptimierung" im Vordergrund steht.
      Und dabei finde ich ist Fuerte im Vergleich zu anderen Zielen ganz gut davongekommen, z.B. im Vergleich zur türkischen Riviera oder Koh Samui in Thailand, die Insel haben wir nach 15 Jahren 2012 wieder besucht und waren entsetzt. Da bleibt einem nur das Ausweichen auf andere Ziele.
      Corralejo haben wir übrigens nur im Rahmen von Ausflügen flüchtig gesehen, deshalb kann ich die dortige Entwicklung nicht wirklich beurteilen, aber angesprochen hat es uns nie. Dann doch lieber Morro Jable.
      Seid gegrüßt
      Harald
      Wir sind auch ständig auf der Flucht vor dem kommerzialisierten Tourismus und betrachten momentan El Cotillo als eines der letzten Refugien auf Fue, das Traumstrände mit abwechslungsreicher Gastronomie verbindet.

      Corralejo ist ja schnell zu erreichen – aber wir sind immer wieder heilfroh, dort den Fängen der Restaurantkoberer entkommen zu sein und die Beschaulichkeit des „verschlafensten Kaffs" auf der Insel zu genießen. ^^
      Barriguita llena, corazón contento, lo demás es un cuento
      Das Schöne auf Fuerteventura ist dennoch, dass man meist in weniger als 10 Minuten
      weg vom Massentourismus ist. Costa Calma -Tarajalejo; Caleta de Fuste - Antigua;
      Corralejo - Lajares, nur um mal einige Beispiele zu nennen.
      Verglichen mit anderen kanarischen Inseln oder diverse Ziele am Mittelmeer ist Fuerteventura in jeder Hinsicht noch viel ursprünglicher.
      Aber ehrlich, eine spanische Location ist mir doch tausend mal lieber als ein englischen Pub oder eine deutsche Schnitzelbude.
      LO QUE NO ME MATA, ME HACE MAS FUERTE

      Also an der Degollada de Montana Blanca ist in Castillo von Massentourismus gar nichts zu entdecken.
      Ganz beschauliche gemischt bewohnte Eigenheime. ;o)
      Kein Deutschenghetto, kein Engländerüberschuss, einfach Menschen wie Du und ich - von den Hunden mal abgesehen. ;o)

      Caleta ist halt das 1.Strandbad von Antigua. Das zweite ist Costa Antigua, wobei es dort dann nichtmal den Badestrand gibt, bei allem Massentourismus, der da trotzdem abgeht. ;o)
      Grüssle Micha

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      Too old to die young!
      As ich das erstemal auf Fuerte war, war Corralejo noch ein recht verschlafener Ort mit 2 Fischrestaurants, einem Disco-Pub (Waikiki) und ab und an einem Art Hippimarkt in den Altstadtgassen. Klar das hat sich geändert, da gebe ich dir recht Dagmar (man kann sogar auf der Hauptstrasse am Straßenbelag die ehemalige Grenze erkennen) . Aber im Gegensatz zu den anderen touristisch erschlossenen Inseln, kann man hier immer noch ursprüngliches finden, wenn man möchte. Fakt ist leider: Kanaren sind nicht Spanien Festland, sondern internationales Feriengebiet. Ich vestehe deine Entäuschung sehr gut. Aufgrund meiner Gehbehinderung kommt Cotillo als Ferienort für mich nicht in Frage, geliebäugelt habe ich damit schon. Aber von Corralejo aus ist das ja nicht weit.

      Wie war denn euer Hotel? (ggf. extra Fred)
      Hallo miteinander,

      dass es in gewisser Weise Massentourismus ist auf Fuerteventura ist ja klar. Sonst wären wir ja auch nicht dort gelandet. Auch wenn wir am Mittelmeer unterwegs sind, suchen wir zumindest fussläufigen Anschluss an Orte mit Restaurants, Cafes und ein paar Lädchen, zu einsam darf es nicht sein. Wie gesagt war Corralejo schon 2000 gross, als wir das erste Mal da waren. Aber da gab es in der Fussgängerzone z.B. noch ein paar nette Lädchen, heute nur noch Asiaten mit Plastikramsch. Soviele Bikinis, Flaschenöffner in ***-Form und Luftmatratzen braucht doch kein Mensch???

      An der Muelle Chico mit seinen Fischrestaurants (natürlich auch touristisch, aber in einem guten Rahmen) hat sich (gottseidank) nichts geändert, abgesehen vom neuen Bodenbelag am Steg (eher ein Vorteil). Dort fühle ich mich wohl. Das hat seinen Charme. Der geht halt woanders komplett verloren.

      Vom Hoplaco ist der vordere Block ganz weg. Der Rest soll wohl auch abgerissen werden. Ein Hotel wars ja sowieso lange nicht mehr, sondern Apartments, insofern, zeitgemäss? Was ist denn zeitgemäss? Ein Original-kanarisches Haus mit offenem Feuer wäre dann auch nicht mehr zeitgemäss - abreissen? Ich finde immer, man muss gewisse Dinge erhalten (und kann man nicht renovieren?). Muss da wirklich ein weiteres Shopping Center hin?

      Ja, die Nachfrage. Wir können ja auch keine Unsummen für Urlaub ausgeben, auch deswegen, weil wir lieber mehrmals im Jahr fliegen (wobei ich feststellen muss, dass die Preise im Vergleich zu 2000 sogar GESUNKEN sind. Wie geht das?). Mallorca und auch Ibiza waren wir auch schon, auch da ist eine Menge Tourismus, klar. Bettenburgen mag ich sowieso nicht - wir hatten uns da auch immer was kleineres ausgesucht - mit Anschluss an einen Ort, versteht sich. Aber ich brauche ein bisschen Atmosphäre.

      "Ertragsoptimierung". Wenn ich nur durchgeschleust werde, um mir das Geld aus den Taschen zu ziehen und das so offensichtlich ist, hat für mich der Spass ein Ende.

      "Ertragsoptimierung" konnte ich übrigens aktuell im Bahia de Lobos deutlich erfahren - die Anlage ist brandneu renoviert, die Zimmer eigentlich qualitativ auch recht gut, wenn auch einfach (leider nicht spanisch - im Ikea-Stil eingerichtet wie auch der Rest des Ladens). Aber die Restaurants und Bars - einfach grausam. Plastikmobiliar, Tisch an Tisch, Lärm und man wird durchgeschoben, alles schön dicht gepackt, damit der Ertrag stimmt, wobei die Räumlichkeit für die Massen (300 bestimmt) viel zu klein ist. Qualität (zumindest Frühstück) ebenfalls Massenware - Käse und Kochschinken vom Block, Getränkeautomaten...würde ich zu Hause niemals essen. Den Rest des All In haben wir nicht genutzt (war auch nicht der Plan) - aus dem Kellerrestaurant kam jeden Tag der Geruch von Bratensauce aus der Tüte - ich bin mittlerweile Vegetarier, geht gar nicht. Aber wir wollten ja sowieso bei Pepe essen...

      Ich finde diese Atmosphäre aber so erschlagend (das ganze Klientel, das dadurch angezogen wird, das Verhalten der Gäste, soviel essen und trinken wie möglich, wir haben es ja bezahlt), dass ich nicht noch einmal in so eine Anlage gehen werde. Der Manager und andere Anzugtypen rennen zudem ständig dort rum und machen dem Personal Stress - furchtbar. Dann lieber zurück ins Hesperia mit der gammeligen Küche und seinen Stockflecken an den Wänden und keine Verpflegung. Dafür stimmt dort die Atmosphäre.

      Ich hoffe, ich habe auf alle Fragen irgendwie geantwortet?

      Gruss,

      Dagmar
      Dagmar du hast deine Einstellung zum Urlaub sehr genau auf den Punkt gebracht. Wir suchen uns auch immer etwas zur Selbstverpflegung, da wir auch gerne in gemütlichen Restaurants zum Essen gehen. Das hat dann (meistens) Atmosphäre. Frühstück selber machen ist zu dritt bei entsprechender Aufteilung auch kein Problem. Ich hasse auch diese Säle, wo dann mehrere hundert Leute ihr Essen einnehmen. Von gepflegter und ruhiger Atmosphäre keine Spur. Aber wie auch immer. Diese Haltung entspricht wohl weniger der Mehrheit. Ich könnte jetzt wieder eine Diskussion über pro / contra All In lostreten aber die hatten wir in diesem Forum schon zu Hauf. Das was mehrheitlich gefordert wird, wird auch angeboten. Das ist nun mal Marktwirtschaft. Wenn für einen neuen 20.000 Leute AI Bunker ein lauschiges kleines Hotel oder eine Appartment Anlage geplättet wird, dann würde mich das auch nerven aber was willst du machen? Es bleibt nichts so, wie es ist. Manche erkennen darin auch Fortschritt :hm:. Im Notfall hilft es nur das Gewohnte aufzugeben und sich etwas zu suchen, was den eigenen Vorstellungen nahe kommt. Einfacher wird das nicht, wenn man nicht auf der Mainstream Welle schwimmt.
      Viele Grüße, Markus

      -el loco del barco :)
      Hallo Markus,

      ist das denn wirklich so, dass das gewünscht wird? Oder sind das die Einweg-Touristen, die eh nie wieder nach Fuerteventura kommen (zu kahl, ebenfalls Unzufriedenheit mit den Hotels, zu lesen auf HC...), davon gibt's ja zuhauf? Es beschweren sich soviele über die Qualität, die wollen doch auch was anderes als Fertigpizza und Nudeln aus der Dose...ich glaube das nicht so ganz...aber vielleicht hast Du Recht, mehr ausgeben wollen die auch alle nicht.

      Aber das betrifft ja auch nur die Hotels - was im Ort passiert ist ja noch etwas anderes. Ich würde mir da wieder mehr Individualität wünschen, nicht nur Massenware.

      Ich habe desweiteren auch das Problem, dass ich einer Bekannten ein Hotel in Corralejo empfehlen soll, aber ich tue mich schwer damit - sie hatte mit dem wo wir jetzt waren spekuliert, würde ich aber nicht weiterempfehlen...und überhaupt bin ich mir nicht mehr sicher, ob es ihr im Ort gefallen würde. Aber das ist ja auch noch eine andere Sache...

      Wahrscheinlich weichen wir dann wirklich nach Cotillo aus...nur dass wir dann ein Auto brauchen, weil ich mir das Abendessen bei Pepe (Meson las Tejas) nicht nehmen lassen will...zumindest ein paar mal im Urlaub, wenn dann vielleicht auch nicht mehr jeden Abend.

      @Resli
      kenn mich mit den Funktionen hier noch nicht so aus - was meinst Du mit Extrafred?

      Gruss,

      Dagmar
      Ich kann die genannten Probleme nicht nachvollziehen. Gerade Corralejo hat sich in den letzten 10 Jahren, genau wie Rosario, sehr zu seinem Vorteil verändert. Das Hoplaco z.B. war ein Schandfleck, dessen Abriss lange überfällig war. Dass da ein weiteres Einkaufzentrum entstehen soll ist zwar unnötig aber immer noch attraktiver als die Bruchbude vorher.
      Natürlich ist die Hauptstraße voll mit den Billigläden aber da muss man ja nicht kaufen. Wenn man sich die Mühe macht, weg von der Touristenmeile weiter in die (Alt)stadt hinein zu gehen findet man sehr viele "normale" Geschäfte, in denen jeder Wunsch erfüllt wird.

      Auch verstehe ich nicht den Unterschied zu "guten" Touristen (solche wie wir) und den "bösen" Massentouristen, die Alles kaputt machen. 100.000 "Gute" sind eben auch Massen und erfordern zur Versorgung genau die Infrastruktur, die hier angeprangert wird. Der Massentourismus sind wir, das können wir auch mit überheblichen Kommentaren nicht weg diskutieren.

      Wer z.B. All Inclusive bucht, weil es so schön billig ist sollte sich nicht gleichzeitig heuchlerisch darüber mokieren. Auch wenn er es dann nicht nutzt, hat er es mit seiner Buchung doch bereits unterstützt.

      Machen wir uns nichts vor, die Kanaren sind nun einmal ein Gebiet mit Massentourismus. Wir Alle profitieren davon durch die günstigen Preise und müssen dafür die Nachteile in Kauf nehmen. Jammern hilft nichts!
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