Angepinnt Fernseh-Berichterstattung über Fuerteventura/Kanaren

      Wie ich bei einer guten Bekannten, die Arbeitgeberin hier auf Fuerte ist, oft sehe, ist die Arbeitsmoral von einigen der spanischen Arbeitnehmern für mich zumindest befremdlich. Um 9 Uhr ist Arbeitsbeginn, um 11 Uhr klingelt dann das Telefon "ich kann heute nicht kommen, mein Auto springt nicht an / meine Oma ist krank" oder kaum ist der feste Arbeitsvertrag in der Tasche, kommt eine Krankmeldung über mehrere Wochen oder man taucht gleich gar nicht mehr auf. Ich denke mir oft, da wäre ich in Deutschland bei einem solchen Verhalten hochkant rausgeflogen. Mein Bekannte zahlt gut, daran kann es also nicht liegen. Es ist da oft wie in Sechser im Lotto, eine gute und zuverlässige Arbeitskraft zu bekommen.
      Schlimmer geht immer :D

      Micha schrieb:

      ...Es ist völlig üblich,dass - die Zeitarbeitsverträge auf einen offiziellen Nominallohn gesetzt werden, der dem Mindestlohn entspricht. Im Vertrag stehen 40 Stunden - der Chef sagt Dir aber, dass Du 48 zu arbeiten hast.
      Und Du machst das natürlich, denn Du hast ja 3-6 Monate Probezeit, auch wenn Du sowieso nicht länger als ein Jahr, meist weniger, beschäftigt wirst...

      Irgendwie kommt mir das bekannt vor...

      boeckler.de/107127_107135.htm

      Schön, dass man das mit Euphemismen wie „atypisch“ vernebeln kann.
      Es gab Zeiten, da hätte der DGB schon längst zu einem Generalstreik aufgerufen! :wut:
      Barriguita llena, corazón contento, lo demás es un cuento

      Besseresser schrieb:

      Es gab Zeiten, da hätte der DGB schon längst zu einem Generalstreik aufgerufen!

      Hört sich so an, als ob du diese Misere auch den Gewerkschaften anlastest, Besseresser.
      Wie sollte denn wohl ein Generalstreik funktionieren, wenn nur ca. 20% aller Arbeitnehmer noch gewerkschaftlich organisiert sind? Da wo Gewerkschaften noch mitreden können (Metall), werden in der Regel auch anständigere Löhne gezahlt. Minijobber, Leiharbeiter, AN mit Zeitverträgen, aber auch eine Menge unpolitischer AN sind nicht mehr organisiert. Da sind auf beiden Seiten Fehler gemacht worden, hat den Arbeitgebern die Taschen gefüllt.

      Dorita schrieb:

      Zitat von Besseresser: „Es gab Zeiten, da hätte der DGB schon längst zu einem Generalstreik aufgerufen!“
      Hört sich so an, als ob du diese Misere auch den Gewerkschaften anlastest, Besseresser.

      Der Auslöser für den Niedergang der Gewerkschaften war meiner unmaßgeblichen Meinung nach der Neue-Heimat-Skandal.

      Davon haben sie sich nie wieder erholt.

      Und die derzeitige Misere (aus der Sicht von Wohnungssuchenden) auf dem Immobiliensektor ist ja wohl auch eine Spätfolge davon!

      Und wie ein Generalstreik funktionieren sollte?
      Na, so wie bei uns in vergangenen Zeiten und heute in anderen Ländern!
      Barriguita llena, corazón contento, lo demás es un cuento
      Ist richtig, Dorit, aber kein Vergleich zu den Kanaren.
      D ist reinstes Gold dagegen.

      Ich weiss auch nicht, wie das geändert werden könnte, vermutlich wirklich nur über starke Gewerkschaften. Natürlich könnte auch der Staat eingreifen, aber das sind zunächst Handlungen auf Papier, die, solange sie nicht überprüft werden, auch reine Papiertiger bleiben.
      Gewerkschaften sind sicher besser.

      Aber finde Leute, die sich gewerkschaftllich organisieren, wenn ein Überangebot an Arbeitskräften einem Unterangebot an Arbeitsplätzen gegenübersteht.
      Zudem sind viele der ausbeutenden Betriebe Kleinstbetriebe, da greifen weitreichende gewerkschaftliche Auswirkungen eh nicht.
      (In D: unter 5 MA kein Betriebsrat usw.)

      @Nana

      Klar gibts die. Aber die gibts auch in D und der Krankenstand wird im Zuge der Vollbeschäftigung auch wieder steil ansteigen, keine Sorge.
      Dennoch kein Grund - sozusagen vorsorglich schonmal - Wildwest-Manieren an den Tag zu legen. (Die zwischenzeitlich allerdings auch in D um sich greifen).

      Überall auf der Welt ists gleich. Wer nichts taugt, dem zahlst Du immer zuviel - und wer wirklich was taugt, dem kannst Du gar nicht genug bezahlen - als Arbeitgeber.
      Grüssle Micha

      --

      Schon im präfaktischen Zeitalter wusste Mohammed:
      Die Tinte des Gelehrten ist heiliger als das Blut des Märtyrers.

      Neu

      @Micha Ob ein Mitarbeiter taugt, sieht man leider als AG oftmals erst dann, wenn er eingestellt und die Probezeit überstanden ist. Die ersten Monate Probezeit strengt man sich halt noch an und dann lässt man es langsam angehen.

      Ob die Arbeitsmoral der AN in Deutschland nachlässt, kann ich nicht beurteilen; bin dazu zu lange aus dem Arbeitsleben raus. Aber wenn ich die Arbeitsmoral vieler hier auf Fuerteventura sehe, dann hätten die in meiner Branche keine drei Tage überlebt.

      Ab 5 MA's kann ein Betriebsrat gewählt werden, muss aber nicht. Ich habe in Firmen mit über 200 MA's gearbeitet, die keinen Betriebsrat hatten und erfolgreich verhindert haben, dass einer gewählt wird.
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